So bleiben Marken trotz Sparzwang relevant und sichtbar
28. Mai 2025
Autor:
Marcus Birkmeir (cyperfection)
Lesezeit:
6 min
Tags:
Markenführung, Erfolgreiche Marken, Markenkommunikation

Wer strategische Markenführung zurückfährt, spart nur kurzfristig – und zahlt langfristig drauf. Das gilt derzeit mehr denn je. Denn die Marke gibt Konsumenten Orientierung, sorgt für Vertrauen und langfristige Kundenbindung. Deshalb ist es für Marketers essenziell, mit zunehmend begrenzten Mitteln die Brand weiterhin sichtbar, relevant und wirksam zu halten. Diese drei Prinzipien helfen dabei, die Kraft der Marke nicht zu verlieren:
1. Markenkommunikation fokussieren
In der Krise wird nicht weniger kommuniziert – sondern selektiver. Entscheidend ist, wo und wie Marken überhaupt noch Resonanz erzeugen. Es gilt entsprechend, Touchpoints zu identifizieren, die die größte Brand Loyalty hervorrufen. Um ihre Budgets zu schonen, sollten sich Marketers auf die drei wichtigsten Kontakt- und Interaktionspunkte fokussieren. Diese lassen sich über dazugehörige Daten bestimmen. Analysieren Marketers die Informationen, verstehen sie, wie Kunden mit ihrer Marke entlang der gesamten Customer Journey interagieren und erhalten tiefe Einblicke in ihr Verhalten. Ein solches Customer Journey Mapping legt offen, welche Kontaktpunkte entscheidend für die Kundenzufriedenheit sind und warum. So lokalisierte beispielsweise ein mittelständisches Healthcare-Unternehmen ihre drei kunden- und business-relevanten Touchpoints: hochwertige Fachportale als Erstkontakt, das individualisierte Serviceangebot im Kundenportal und die persönliche Beratung durch den Außendienst.
Die Healthcare-Marketers ergriffen danach sofort die Chance, ihre Maßnahmen an diesen Punkten noch kundenorientierter zu gestalten. Beispielsweise stärkten sie die Außendienstberatung mit einer dafür speziell trainierten Künstlichen Intelligenz (KI). Die KI schlägt den Vertriebsmitarbeitenden vor ihren Gesprächen nun kundenrelevante und individuelle Inhalte und Argumentationshilfen – auf Basis der jeweiligen Kundendaten – vor. Der Clou: Sie sind auf die Tonalität und Messaging-Guidelines der Marke abgestimmt. Seitdem ist die Außendienst-Kommunikation noch wirksamer, ohne aufdringlich zu sein. Das Healthcare-Unternehmen erhöhte so ihre Markenwahrnehmung bei Kunden ohne großartigen Budgeteinsatz – verglichen mit Brands, die auf flächendeckende Präsenz entlang der Journey setzen.
2. Marke klar, anwendbar und einprägsam operationalisieren
Viele Marken haben definierte Werte – aber zu selten fließen diese systematisch in Content, Kampagnen oder in die Customer Experience ein. Dabei bieten sie genau das Raster, das unter Budgetdruck dringend gebraucht wird: ein strategisches Filterinstrument für alles, was publiziert, gestaltet und entschieden wird. Deshalb ist es wichtig, ein markengerechtes Set aus Tonalität, Visuals und Messaging Guidelines bereitzustellen und diese Tools wie einen Verstärker einzusetzen.
Motion, Sound, Sprache – all das formt die Brand Experience, speziell in digitalen Räumen. Auch hier gilt: Es braucht klare Prinzipien für die Multisensorik. Ein prägnantes Soundlogo, konsistente UI-Sounds oder animierte Social-Media-Elemente wirken oft stärker – wenn sie fokussiert auf ein Markensystem einzahlen – als aufwendige Content-Produktionen, die Budgets verschlingen. Als Basis aller Maßnahmen dient das Brand Manual, welches gelebt werden sollte. Interaktive Markenportale, Schulungsformate und smarte Template-Systeme machen Marken anwendbar und befähigen die oft international agierenden Teams. Insgesamt erzielen Brand Manager so mehr Konsistenz in der Kommunikation und Wiedererkennbarkeit – ein Wert, der sich direkt auf eine höhere Conversion und Markenloyalität auswirkt. Letztlich gilt: Es braucht Markenerlebnisse, die sich wiederholen, aber nicht wiederholt wirken.
3. KI nutzen – aber markenkonform
Ob Text, Bild oder Layout: GenAI übernimmt bereits viele Aufgaben im Marketing. Aus Sicht des Brand Managements ist dies aber nur dann sinnvoll, wenn die KI auf einem Markengerüst basiert. Sonst entstehen Outputs, die beliebig wirken oder Markenwerten nicht entsprechen. Zusätzlich braucht es für hochwertigen und differenzierenden Brand Content auch Ideen, Kreativität, Sympathie und Empathie. Es geht um echte Erfahrungen und menschliche Erlebnisse, die Kunden emotional ansprechen. Eine KI hingegen kennt weder Freude noch Schmerz, weder Humor noch Unvollkommenheit. Deshalb sollte jederzeit das Prinzip des Humand-led AI gelten – trotz aller Automatisierung und Kosteneinsparung. KI kann Markenprozesse skalierbar machen und effizienter gestalten – aber sie sollte die Marke dabei nicht schwächen.
Vereinfachung ist der stärkste Hebel
Strategische Markenführung ist keine Frage der Budgetgröße. Stattdessen liegt das größte Potenzial in klaren Entscheidungen und Fokussierung: Was gehört wirklich zur Brand und zum Aufbau der Markenloyalität? Was darf weg? Was kann automatisiert oder standardisiert werden? Auch kleine Updates, Sprachentwicklungen oder Designverfeinerungen helfen, die Marke aktuell und relevant zu halten – ohne ein kostspieliges und aufwendiges Rebranding. Simplifizierung ist dabei kein Sparzwang, sondern ein strategischer Anspruch. Wenn Markenführung reduziert, fokussiert und befähigt wird, gewinnt sie an Wirkung – nicht an Komplexität.
Die entscheidende Währung der Zukunft ist Markenverstand – das strategische Können, Marken mit Sinn, Wert und Wirkung zu gestalten. Dafür braucht es Systeme, die maschinelle Unterstützung zulassen – aber klar mit menschlicher Erfahrung und Expertise geführt werden. Markenführung gewinnt auch – oder erst recht – in wirtschaftlich volatilen Zeiten an strategischer Bedeutung. Wer heute Strukturen auch mit geringen Mitteln schafft, die Haltung, Sprache und Designprinzipien konsequent operationalisieren, ist morgen im Vorteil. Denn die Marke ist kein Kostenfaktor, sondern das Betriebssystem der jetzigen und zukünftigen Kommunikation.
Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht in
HORIZONT, 26.05.2025