Die Same-ification von Kreativagenturen

Klarheit: Fragst du zehn verschiedene Agenturen, was ihre Kunden wirklich brauchen, bekommst du aktuell wahrscheinlich immer diese Antwort. Aber nicht weil alle gleichzeitig am Baum der Erkenntnis geschüttelt haben. Sondern weil alle dieselbe KI gefragt haben.

17. März 2026

Autor:
Briana Bolger-Schuth (cyperfection)

Lesezeit:
7 min

Tags:
KI, Simplify, Klarheit, Healthcare-Kommunikation

Teilen:
Blaue Figur und Hand vor einer Reihe aus Pixelfiguren

Seit ein paar Jahren ist „simplify“ der selbstdefinierte Markenkern von cyperfection. Also die Fähigkeit zu „vereinfachen": Die richtige Botschaft zur richtigen Zeit an die richtigen Menschen zu bringen, eben aus dem Buzzword-Dschungel herausholen, was relevant ist. Und zu welchem Zweck? Um Verhaltensänderungen zu erzeugen, um das Publikum zu aktivieren, statt es mit Infos zu vermüllen.

Wir sind überzeugt von „symplify“ als unserem Wert. Er passt und er funktioniert. Wenn wir versuchen, diesen Kern weiterzuentwickeln, wenn wir darüber diskutieren, workshoppen und nachdenken – dann nutzen wir natürlich auch KI.

Unsere KI rät uns dann zuverlässig , mehr über „Klarheit" zu sprechen. Was ja auch passt. Es ist ein natürliches Ergebnis unseres Prozesses. Wir vereinfachen Kommunikation, um Klarheit zu schaffen. Machen wir seit über 25 Jahren. Damit HCPs weniger Zeit damit vergeuden, erst nach dem Mehrwert für sie zu suchen. Damit Patienten schnell und leicht verstehen, was sie selbst tun können, um gesund und fit zu bleiben oder es wieder zu werden. Damit unsere Kunden verstehen, dass Omnichannel nicht Everychannel bedeutet.

Klar, Klarheit. Und jetzt?

Die Dinge klar sehen können, ist super. Aber „Klarheit“ – das allein fühlt sich irgendwie auch ein bisschen leer an, oder? Emotionslos. So eine typische KI-Sicht auf das, was Menschen wollen.

„Klarheit" ist wichtig, aber nichts, wonach man sich sehnt. Es ist nicht das, woran dein Affenhirn hängenbleibt und das du FÜHLEN kannst. Nicht das, was ich wirklich will. Ich will es leicht haben. Ich will schnell. Ich will gut, besser, am besten.

Für das, was ich eigentlich will, ist „Klarheit" vielleicht Voraussetzung – was ich aber wirklich will, ist das Gefühl, das einsetzt, wenn ich längst Klarheit habe und etwas aus dieser klaren Sicht gemacht oder gewonnen habe. Es mag vielleicht auf einer rationalen Ebene klar sein, was es bräuchte, damit ich frei, glücklich, erleuchtet (nein, ist nicht dasselbe wie die Fakten-Klarheit der KI) – oder eben gesund bin. Aber das allein nutzt ja noch nichts, denn jetzt muss ich ins Handeln kommen.

Verhaltensänderung passiert nicht, weil jemand klare Informationen erhalten hat. Sie passiert, wenn sich verändert, wie jemand über das Handeln denkt – wenn man beginnt aktiv zu werden.

Klar ist es nur für die KI

Aber interessanterweise spricht in unserer Bubble, in unserer Branche jeder ausschließlich über Klarheit. Darüber, dass Klarheit das ist, was Menschen in dieser chaotischen, schnelllebigen Welt brauchen.

Wenn alle ihre LLMs mit demselben Problem füttern, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass alle dieselben Antworten bekommen. Die Folge: Ads für Workshops, die zu Klarheit verhelfen. Agenturen, die ihre Manifeste und Angebote rund um Klarheit neu schreiben.

KI ist unglaublich gut darin, das statistische Zentrum einer Idee zu (re)produzieren. Im Grunde das, wozu sie trainiert wurde. Sie analysiert Millionen von Beispielen aus dem Healthcare-Marketing und sagt den sichersten und wahrscheinlichsten nächsten Zug voraus.

Wenn also jemand sein freundliches LLM fragt, was in der Healthcare-Kommunikation am wichtigsten ist, was fehlt, was Kunden wirklich brauchen – die Antwort wird immer auf dieselben Kernpunkte hinauslaufen: Empathie, Klarheit, Patientenzentrierung, Vertrauen, Evidenz, usw. Kommt dir bekannt vor?

Das alles stimmt ja. Aber es ist eben nur der Median des Branchendenkens. Niemand wird losjubeln, weil das so irre interessant ist. Niemand wird sich ärgern, weil er nicht selbst drauf gekommen ist. Größe findet sich oft eher an den Rändern, statt in der Mitte.

Same? Same but different?

Aktuell entsteht eine ziemlich klare Kluft zwischen den Arbeitsweisen von Agenturen. Viele stellen eine Frage, bekommt eine Antwort und schicken sie raus. Die KI sagt Klarheit. Ok, Klarheit, super, so sei es, auf geht‘s: Mittagessen; Tischtennisplatte und Obstkorb warten. Was wir tun: KI-Output als Ausgangspunkt nutzen – die Kartierung einer unklaren Häufung an Pain Points, Denkmustern und Einstellungen zu einem Thema. Die schwierigere Frage ist: Was steckt dahinter ? Wie übersetzen wir klare Sachverhalte in etwas, das Menschen auch fühlen – und ins Handeln bringt?

Der erste Ansatz ist nicht neu. Kreativarbeit ging schon immer gern mit einem gewissen Maß an Faulheit Hand in Hand: Eine einfache Antwort finden und gut ist‘s. KI zeigt nur klarer, wann und wo das passiert.

Unser Ansatz: KI als das mächtige Werkzeug, das sie ist, zu nutzen – und dann ihre Ergebnisse weiter pushen, dorthin, wo es … menscht. Wir wissen (sollte eigentlich jeder in der Branche gelten): Timing und emotionaler Kontext sind oft wichtiger als die pure, nackte Botschaft. Und dementsprechend ist es ein Unterschied zwischen:

  • Wissen, dass Menschen Klarheit wollen.
  • Verstehen, dass sie eigentlich das Gefühl wollen, eine klare Richtung, Leichtigkeit und Unterstützung zu haben.



Das eine ist ein Buzzword. Das andere ist etwas, worauf man aufbauen kann.

Das Samification-Problem ist real, und es wird noch sameiger werden. Mittelmäßige Kreativarbeit hat es schon immer gegeben. Denkfaulheit ist nicht von der KI erfunden worden, aber sie reitet nun ein viel schnelleres Pferd. Was das auch mit sich bringt, wenn auch unbeabsichtigt: Die Ergebnisse dieser Denkfaulheit sehen überall gleich aus. Sie nutzen dieselben Worte und dieselben Frameworks. Auf Basis derselben Klarheit.

Kontakt
cyperfection gmbh
Briana Bolger-Schuth

Im Zollhof 1
67061 Ludwigshafen

You might also like