Wie CMOs KI zur Kampagnensteuerung nutzen

KI kann heute in kurzer Zeit große Mengen an Content erzeugen. Für CMOs liegt ihr strategischer Wert jedoch darin, Kommunikation über Kanäle und Kontaktpunkte hinweg zu prüfen. David Link, Geschäftsführer von cyperfection, erläutert, wie CMOs ihre Kampagnen mit KI analysieren und wirksam aussteuern können.

29. September 2026

Autor:
David Link (cyperfection)

Lesezeit:
6 min

Tags:
KI-Kampagnensteuerung, CMO, Markenstrategie, Kommunikationsstrategie

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Für CMOs wird die Frage, ob die Kommunikation als Ganzes eine nachvollziehbare Geschichte erzählt, zunehmend wichtiger. Denn Kampagnen-Inhalte werden oft in unterschiedlichen Teams, Märkten und Formaten entwickelt. Jede Maßnahme kann für sich funktionieren und dennoch den Zusammenhang zur übergeordneten Marken- und Kommunikationsstrategie verlieren. Das Ergebnis ist nicht zwingend schlechte Performance. Es kann aber zu widersprüchlichen Eindrücken oder verpassten Anschlussmöglichkeiten führen. KI kann helfen, solche Muster zu erkennen. Damit wird sie zu einem Instrument der Qualitätssicherung und Steuerung.

Ohne Leitplanken bleibt Analyse oberflächlich

Eine KI kann Kommunikation nur an Kriterien messen, die zuvor festgelegt und zugänglich gemacht wurden. Dazu gehören die strategischen Kernbotschaften, das Markenversprechen, die gewünschte Tonalität, Zielgruppen und ihre Informationsbedürfnisse sowie verbindliche sprachliche und visuelle Regeln. In regulierten Märkten kommen geprüfte Aussagen, rechtliche Vorgaben und klare Freigabeprozesse hinzu. Diese Grundlagen sollten so dokumentiert sein, dass Menschen sie verstehen und technische Systeme sie strukturiert verarbeiten können.

Diese Leitplanken sind keine starre Schablone. Eine starke Kampagne muss nicht überall dieselben Worte verwenden. Entscheidend ist, dass Anpassungen die strategische Aussage unterstützen und für den jeweiligen Kontext sinnvoll bleiben, Konsistenz bedeutet deshalb nicht Gleichförmigkeit. Sie entsteht, wenn unterschiedliche Inhalte erkennbar auf dieselbe strategische Richtung einzahlen.

Was KI messen kann und was nicht

Multimodale KI-Systeme können große Mengen unterschiedlicher Kampagnenmaterialien auf wiederkehrende Muster untersuchen. Sie können Hinweise darauf liefern, ob Kernbotschaften ausreichend präsent sind, wo sich Tonalität oder Argumentation zwischen Kanälen verschieben und welche Themen dominieren oder kaum berücksichtigt werden. Auch die Verbindung zwischen Kommunikationsinhalten und den definierten Rollen einzelner Kontaktpunkte lässt sich systematischer prüfen.

Ein Unternehmen aus der Gesundheitsbranche fand beispielsweise bei einer KI-gestützten Markenanalyse heraus, dass die Organisation mehr als 30 unterschiedliche Claims, Slogans und Positionierungen nutzt. Bei einer historischen Marke mit vielen beteiligten Stakeholdern ist das nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, diese gewachsene Vielfalt sichtbar zu machen und zu prüfen, wo sie die gemeinsame Markenrichtung stützt und wo sie zu inhaltlichen Brüchen führt.

Solche Ergebnisse sind zunächst Diagnosewerte. Ein Kohärenzindikator kann eine Abweichung markieren, belegt aber für sich genommen weder Vertrauen noch Verständnis oder Verhaltensänderung. Auch ein hoher Wert ist kein Nachweis dafür, dass eine Kampagne ihre Ziele erreicht. Dafür braucht es passende Wirkungskennzahlen und die Prüfung, ob sich die beobachtete Veränderung tatsächlich auf die Kommunikation zurückführen lässt.

CMOs sollten deshalb drei Ebenen auseinanderhalten: Erstens die Übereinstimmung mit den Marken- und Kommunikationsleitplanken. Zweitens die Passung der Inhalte zu Zielgruppe, Journey und Kontaktpunkt. Drittens die Wirkung auf ein zuvor definiertes Kommunikations- oder Geschäftsziel. KI kann die ersten beiden Ebenen strukturiert analysieren und bei der dritten Hinweise liefern. Die Bewertung und die Entscheidung über Maßnahmen bleiben Aufgabe der verantwortlichen Teams.

Vom Score zur Entscheidung

Damit die richtigen Entscheidungen fallen, sollten sich Marketingteams folgende Fragen stellen: Ist eine Abweichung beabsichtigt, weil sich Zielgruppe oder Kontaktpunkt unterscheiden? Ist eine Kernbotschaft tatsächlich verloren gegangen? Oder ist die strategische Leitplanke unklar und muss überarbeitet werden? Auf diese Bewertung folgen gegebenenfalls Anpassungen. Anschließend wird geprüft, ob sie die gewünschte Veränderung in der Kommunikation und, soweit messbar, in der Wirkung unterstützt haben.

Ein einzelner Score sollte dabei nie automatisch eine Freigabe, Überarbeitung oder Aussteuerung auslösen. Sinnvoller ist ein Dashboard, das Indikatoren, Begründungen, Datenbasis und offenen Prüfbedarf zusammenführt. So wird sichtbar, wo menschliche Aufmerksamkeit erforderlich ist. Marketing, Vertrieb, Service und weitere beteiligte Abteilungen erhalten zudem eine gemeinsame Grundlage, um Widersprüche und Abhängigkeiten früh zu besprechen.

KI als Teil des Betriebssystems moderner Kommunikation

Für CMOs liegt die Aufgabe darin, KI nicht als isoliertes Produktionswerkzeug einzuführen, sondern als Teil eines verantwortlichen Kommunikationssystems. Dafür braucht es eine verlässliche Daten- und Inhaltsbasis, maschinenlesbare Leitplanken, definierte Zuständigkeiten und regelmäßige Qualitätsprüfungen. Ebenso wichtig ist die Verbindung zu den Kennzahlen, die für die Organisation tatsächlich relevant sind.

KI kann so mögliche Brüche aufzeigen und Teams helfen, ihre Aufmerksamkeit gezielter einzusetzen. Sie entscheidet jedoch nicht selbst, welche Abweichung strategisch sinnvoll ist, welche Aussage fachlich belastbar bleibt oder ob Kampagnen Menschen tatsächlich zu einer Handlung befähigt.

Qualität entsteht, wenn strategische Orientierung, technische Analyse und menschliches Urteil zusammenwirken. Es geht darum, Kampagnen über ihre Bestandteile hinweg steuerbar zu machen und ihre Wirkung mit geeigneten Kriterien zu überprüfen. Für CMOs wird daraus eine konkrete Führungsaufgabe: Die Bedingungen zu schaffen, unter denen Marken konsistent auftreten können, ohne ihre Kommunikationskraft auf Gleichförmigkeit zu reduzieren.