"Eine Agentur wird erwachsen" – Interview zum 18. Geburtstag mit Pharma Relations

„EINE AGENTUR WIRD ERWACHSEN“ – INTERVIEW ZUM 18. GEBURTSTAG MIT PHARMA RELATIONS

cyperfection wird in diesem Jahr 18 Jahre alt. Wie aus der kleinen „Studentenbutze“ ein Profiunternehmen entstand, erzählt Geschäftsführer Georgios Manolidis im Interview mit der Pharma Relations:

Pharma Relations Ausgabe 10/2014Pharma Relations: Herr Manolidis, wenn Sie eine Zeitreise in das Gründungsjahr von cyperfection machen – 1996 – was fällt Ihnen spontan ein?

Georgios Manolidis: Das war eine sehr aufregende und ereignisreiche Zeit damals. Was mir allerdings am besten im Gedächtnis geblieben ist, war die Namensfindung: So ein Firmenname will ja schließlich gut und nachhaltig ausgewählt sein. Nach schier endlos erscheinenden Diskussionen fanden wir dann schließlich den Namen, der uns ausnahmslos allen zusagte: „cyperfection“ – was auch heute noch zu kleineren Problemen beim Buchstabieren führt. Der Fokus liegt nicht auf „cyber“ sondern ganz klar auf „perfection“

Pharma Relations: Wie fing alles an? Was war Ihre Vision, und entspricht diese dem, was jetzt daraus geworden ist?

Georgios Manolidis: Wir waren damals zur Gründung noch zu viert. Die meisten von uns steckten noch mitten im Studium – und so gingen wir sehr unbefangen an die Sache ran. Wir hatten ja nichts zu verlieren und waren voller Tatendrang! Die Zeit war reif, 1996 lag eine derart stark spürbare Aufbruchstimmung in der Luft, wie ich sie danach nicht mehr erlebt habe. Zu Anfang hatten wir mit Sicherheit noch keine klare Vision, was in fünf, zehn oder achtzehn Jahren sein soll. Aber wir hatten einen starken Willen und den Glauben daran, dass das, was wir machen, Zukunft hat. Und so sollte es auch sein.

Pharma Relations: Was war Ihr erstes Projekt?

Georgios Manolidis: Genau genommen war es unsere erste eigene Website, die wir für die 1. Mannheimer Internetmesse erstellt haben. Unser erstes Kundenprojekt war dann eine Kongress-Website für einen namhaften Automobilhersteller. Wenig später folgten dann die ersten großen Projekte im Healthcare-Bereich, die den Grundstein für bis heute bestehende Kundenbeziehungen legten.

Pharma Relations: Was waren die ersten schmerzhaften Erfahrungen im Agenturgeschäft?

Georgios Manolidis: In achtzehn Jahren gab es natürlich schon die ein oder andere „Tissue Session“ – also Kundenmeetings aus denen man nach Hause geht und danach wieder fast von vorne anfangen muss. Oder Pitches, bei denen man „knapp zweiter“ wird, obwohl man ganz viel Herzblut und wochenlange Arbeit rein gesteckt hat. Das kennt wahrscheinlich jeder im Agenturgeschäft und so läuft es eben manchmal. Aber umso schöner ist es dann auch, wenn man an anderer Stelle in die leuchtenden Augen des Kunden blickt und spürt, dass man genau seine Vorstellungen ge- oder sogar übertroffen hat. Wenn der Kunde dankbar erkennt, dass auch er sich innerhalb seiner Organisation mit dem Projekt positionieren kann und uns als wertvollen Partner schätzt. Solche Momente sind einfach unbezahlbar und erfüllen einen mit großem Stolz und Freude, die einen auch über die schmerzlichen und nervenaufreibenden Erlebnisse im Agenturalltag hinweg blicken lassen.

Pharma Relations: Sie haben schon früh den Fokus auf das digitale Geschäft ausgerichtet. Was sind die erfolgreichsten Healthcarebeispiele, welche halten Sie persönlich für besonders innovativ?

Sven Korhummel und Georgios Manolidis zum 18. Geburtstag von cyperfectionGeorgios Manolidis: Man kann sagen, wir sind Pioniere in der digitalen Patientenkommunikation. Während viele Full-Service Agenturen nach und nach „auch Internet“ machten, lag unser Schwerpunkt schon immer in der digitalen Welt. Wir haben zudem das Glück und die Ehre seit fast 15 Jahren die Diabetes Care Marke Accu-Chek zu begleiten. 2011 durften wir den dritten und bisher größten Relaunch mitgestalten und den Claim „Erleben, was möglich ist.“ digital mit Leben füllen. Accu-Chek sieht sich als Partner, der die Bedürfnisse und alltäglichen Herausforderungen von Menschen mit Diabetes versteht, und seinen Kunden praktikable Lösungen dafür bietet. Unsere Aufgabe war es seit jeher, dieses Selbstverständnis in den digitalen Medien zu manifestieren und erlebbar zu machen. Und ich glaube, das ist uns definitiv gelungen. Die Markenwebsite ist mit Abstand die innovativste Plattform im Diabetes Care Bereich und bietet den Nutzern immer wieder neue Erlebnisse und Erfahrungen – in Form von Kampagnen, Aktionen, Games, eCRM und vielem mehr.

Erfreulich ist dabei, dass wichtige Impulse für die Offline-Kommunikation immer stärker aus dem digitalen Auftritt der Marke kommen. Der Fokus liegt zunehmend auf einer stringenten Verzahnung aller intelligenten On- und Offlinemaßnahmen

Ein weiteres innovatives, noch im Rollout begriffenes, Projekt aus dem Hause cyperfection ist die Kampagne „Pioneering Healthcare“, die wir gemeinsam mit unserem Kunden Hoffmann-La Roche Ltd. realisiert haben. Pharma Unternehmen sind ja stetig darauf angewiesen, eine valide Anzahl geeigneter Teilnehmer für ihre Studien zu finden. Häufig wissen die Patienten aber schlichtweg nicht, dass es diese Studien gibt oder haben Vorbehalte gegenüber der Branche. Unser Ansatz ist es, den Patienten mit Mitteln der klassischen, integrierten B-to-C-Kommunikation direkt anzusprechen und argumentativ und emotional von den Vorteilen zu überzeugen. Diese Vorgehensweise ist bisher einmalig im Bereich der Patienten-Rekrutierung. Neben der Plattform www.pioneering-healthcare.com beinhaltet die Kampagne auch die App „Lung+ Pioneering Healthcare“ und zahlreiche begleitende kommunikative Maßnahmen, die nach und nach international ausgerollt werden.

Pharma Relations: Wenn Sie heute ein neues Kundenprojekt angehen, was machen Sie anders im Unterschied zu 1996?

Georgios Manolidis: Wir haben in den letzten 18 Jahren mehr als 1.000 Projekte für unsere Kunden realisiert – kleine, große und sehr große. Jedes Konzept ist maßgeschneidert und bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich. Die jahrelange Erfahrung gibt jedoch eine gewisse Sicherheit für punktgenaue Konzepte und Umsetzungen. Wir schaffen es heute, unsere Kreativität besser zu bündeln und auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden – und deren Zielgruppen – zu fokussieren. Und das obwohl die Projekte in den letzten Jahren viel komplexer geworden sind: Die Anzahl an digitalen Kanälen und Verzahnung mit klassischen Medien ist unglaublich vielschichtig geworden. Durch Social Media, Mobile Marketing, CRM & Co. eröffnen sich tagtäglich neue, großartige Möglichkeiten, den (End)Kunden in jeder Lebenslage mit Informationen und Services zu erreichen (Stichwort: Customer Journey), an die vor achtzehn Jahren noch keiner gedacht hätte. Aber auch wir sind im Laufe der Jahre immer besser geworden und haben uns viele Spezialisten ins Team geholt. Umso wichtiger, dass auch unsere Prozesse im Wandel begriffen sind und sich flexibel an den Kunden, Projektgröße und Mitarbeiterstruktur anpassen lassen. In der kleinen „Studentenbuzze“ als die wir 1996 gestartet sind, gab es so etwas natürlich noch nicht. Wir sind heute in der Lage unsere Kunden rundum optimal zu betreuen und ein breites Spektrum an Dienstleistungen anzubieten – sei es mit eigenen Ressourcen oder unserem Netzwerk aus nationalen und internationalen Partnern.

Pharma Relations: Gab es in den 18 Jahren auch Krisen im Agenturleben, bei denen Sie darüber nachgedacht haben, das Handtuch zu werfen? Wie haben Sie diese schwierigen Zeiten gemeistert?

Georgios Manolidis: Da ein Handtuch so ziemlich das Nützlichste ist, was man auf interstellaren Reisen dabei haben kann, haben wir natürlich nie daran gedacht, dieses loszuwerden. 😉 Dennoch gab es natürlich die ein oder andere Phase, die nicht ganz einfach war. Als Agentur ist man naturgemäß von jeglichen Launen der Wirtschaft unmittelbar betroffen. Das blieb auch uns das ein oder andere Mal in den letzten Jahren nicht erspart. Dennoch haben wir einige strategisch richtige Entscheidungen getroffen und es dadurch geschafft, gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Sowohl geschäftlich als auch persönlich.

Pharma Relations: Wenn Sie auf Ihre Erfahrungen mit den Healthcarekunden zurückblicken, wie haben sich die Erwartungen der Kunden verändert? Gibt es das eine oder andere im Zusammenhang mit dem digitalen Geschäft, was Sie bereits längst verinnerlicht haben, Ihre Healthcarekunden aber noch nicht?

Georgios Manolidis: Wir stellen fest, dass sich die Marktmacht zunehmend vom Arzt hin zum Patienten verschiebt. Er wird immer stärker zum aufgeklärten und gleichberechtigten Partner in seiner Therapie. Die Healthcare-Unternehmen werden sich so langsam diesem Wandel bewusst und versuchen immer stärker, sich beim Patienten als verlässlicher Partner zu positionieren, die eigene Marke zu stärken. Das ist erfreulich, weil diese direkte Form der Kommunikation natürlich große Potenziale birgt. Unsere Stärke ist der Blick über den Tellerrand: Durch unsere Erfahrungen, die wir in anderen Branchen sammeln, können wir mit vielen frischen Ideen jenseits der „klassischen“ und oft doch etwas drögen Patientenkommunikation aufwarten. Patienten sind schließlich auch Menschen –und die erleben eben gerne Sachen, hören Geschichten und freuen sich über gut aufbereitete, verständliche Informationen. Wir haben aber in den letzten Jahren auch gemerkt, dass nicht immer die innovativste Lösung auch die erfolgsversprechendste für unsere Healthcarekunden ist – und nicht jede B-2-C Kampagne lässt sich auf die sensible Zielgruppe der Patienten übertragen. Healthcare Kommunikation benötigt eben viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.

Pharma Relations: Was macht Ihnen am meisten Spaß bei Ihrer Arbeit für Healthcarekunden? Haben sich auch diese Vorlieben im Laufe der Zeit verändert?

Georgios Manolidis: Es macht immer wieder Spaß die Grenzen in diesem so stark reglementierten Markt auszureizen und die Kunden zu neuen Vorhaben zu animieren. Und wir haben das Gefühl, durch wertvolle Patientenkommunikation Betroffenen etwas Gutes zu tun: Das Netz ist voller unseriöser Quellen, die umstrittene oder schlichtweg falsche Gesundheitsinformationen streuen. Die Website eines Healthcare Unternehmens liefert hingegen meist Informationen, Tipps und Services aus erster Hand und unterliegt kontinuierlicher, medizinisch-wissenschaftlicher Beobachtung. Wer gute, leicht verständlich aufbereitete Inhalte und bedürfnisorientierte Services bietet, kann dem Patienten einen echten Mehrwert und Hilfestellung für seinen Alltag mit der Erkrankung liefern. Es macht uns Freude, durch unsere Arbeit dazu beitragen zu können.

Pharma Relations: Inhaber einer Agentur zu sein ist ein 24-Stunden-Job. Wie schaffen Sie einen Ausgleich zur Arbeit?

Georgios Manolidis: Ich, und auch mein Partner Sven Korhummel, finden den Ausgleich in der Familie. Wir sind beide verheiratet, haben Kinder, ein Haus im Vorort – mit Hunden und Garten. Diese „Insel“ gibt einem den nötigen Halt und die Kraft die man braucht um Tag für Tag neue Herausforderungen in der Agentur zu meistern.

Pharma Relations: Wie hat sich in den 18 Jahren das Mitarbeiterteam der Agentur entwickelt? Welche Erfahrungen haben Sie in der Führung von Mitarbeiter gesammelt und wie hat sich das auf Ihre Menschenkenntnis ausgewirkt? Worauf kommt es bei Ihren Mitarbeitern nun an?

Georgios Manolidis: Wir sind – trotz jungem Team – erwachsener geworden, haben unsere kindliche Neugier aber nie verloren. Man darf schließlich niemals aufhören Neues zu lernen und einen wachen Kopf und ein feines Gespür für die Trends von morgen zu haben. Das was wir als Geschäftsführer vorleben, erwarten wir auch von unseren Mitarbeitern. In dieser digitalisierten Welt, die so viele Potenziale bietet, brauchen wir Spezialisten, Generalisten und Querdenker, die den Blick über den Tellerrand nicht scheuen und mit frischen Ideen und Tatendrang immer wieder neue Impulse liefern. Wir sind nie übermäßig schnell gewachsen, sondern legen viel Wert auf eine sorgfältige Mitarbeiterauswahl und langjährige Mitarbeiterbeziehungen. Es muss einfach passen.

Pharma Relations: Bei einem 18-Jährigen würde man jetzt fragen: „Und, was hast Du als Nächstes vor?“ Wie geht es mit cyperfection weiter, wie sieht Ihre derzeitige Vision aus?

Georgios Manolidis: Wir haben viel vor in den nächsten Jahren. Wir möchten uns noch stärker positionieren – auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, möchten ein attraktiver Arbeitgeber sein, den Nachwuchs fördern und fordern. Dafür bringen wir weiterhin kreative Höchstleistungen – mit dem seit über 18 Jahren geschärften Blick für den Digital-Markt.

 „Pharma Relations“ ist das führende deutschsprachige Magazin für Healthcare-Marketing und -Kommunikation. Im 11. Jahrgang informiert „Pharma Relations“ die Entscheider aus Pharma- und Health-Industrie monatlich kompetent mit Reportagen, Interviews, Porträts, (Fall-)Studien und Know-how-Beiträgen etc. über alles Wissenswerte aus dem Healthcare-Markt. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Crossmedia Marketing im Healthcare Bereich.