Patient Recruitment 2.0 – Neue Herausforderungen in der Healthcare Kommunikation

PATIENT RECRUITMENT 2.0 – NEUE HERAUSFORDERUNGEN IN DER HEALTHCARE KOMMUNIKATION

Patientenrecruitment: Von der Entdeckung eines Wirkstoffes bis zur Verschreibung als hochwirksames Medikament ist es ein weiter Weg. Von der Entdeckung eines Wirkstoffes bis zur Verschreibung als hochwirksames Medikament ist es ein weiter Weg. Alle neuen Behandlungen müssen sorgfältig geprüft und in klinischen Studien weitreichend getestet werden. Pharma Unternehmen sind darauf angewiesen, eine valide Anzahl geeigneter Teilnehmer für diese Studien zu finden, um ihr Medikament bis zur Marktreife erproben zu können.

Ein oft nicht ganz einfaches Unterfangen: Patienten haben häufig Vorbehalte gegenüber klinischen Studien beziehungsweise der Pharmabranche an sich. Nur 43 Prozent würden laut einer von Clariness zitierten internationalen Erhebung von 2006 an einer klinischen Studie teilnehmen. Ob die Bereitschaft zur Teilnahme durch Kampagnen wie „Forschung ist die beste Medizin“ größer geworden ist, müssen neue Studien zeigen. Doch von einer ähnlichen gesellschaftlichen Akzeptanz wie Blut- oder Knochenmarkspenden ist die klinische Forschung meilenweit entfernt.

Und oft wissen Patienten schlichtweg nicht, dass eine für ihre Indikation geeignete Studie durchgeführt wird. Nach oben genannter Erhebung hatten nur 9 Prozent aller befragten Deutschen je die Möglichkeit an einer klinischen Studie teilzunehmen – wovon 70 Prozent diese Chance dann auch tatsächlich nutzten! Offensichtlich wird an diesem Punkt viel Potential verschenkt.

Patientenkommunikation ohne Umwege

Doch wie erfährt der Patient, dass es für seine Indikation eine klinische Studie gibt? Bisher geschieht dies fast ausschließlich über Ärzte und Agenturen als Mittler und Gatekeeper – beides zeit- und ressourcenintensive Wege. Warum sich also nicht direkt an den Patienten wenden? Patientenrekrutierungsportale wie ClinLife versuchen diesen Weg zu gehen – fungieren aber letztendlich auch als Mittler. Auf der Plattform können sich Interessierte registrieren und werden informiert, sobald eine passende Studie in ihrer Nähe stattfindet. Doch diese Art und Weise der Patientenrekrutierung setzt natürlich ein proaktives Handeln des Patienten voraus – und ist für das Pharmaunternehmen natürlich auch mit Kosten verbunden. Also stellt sich erneut die Frage: Warum sich nicht DIREKT an den Patienten wenden?

Schließlich kann eine Teilnahme für viele Patienten neue Perspektiven eröffnen: Sie haben die Möglichkeit die neuesten, innovativsten Wirkstoffe zu testen und können auf verbesserte Heilungschancen hoffen. Die Betreuung während der Laufzeit der Studie ist häufig engmaschiger und intensiver als bei einer regulären Behandlung. Zudem leisten die Teilnehmer einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, indem sie Erkenntnisgewinne für die Behandlung ermöglichen.

Eine klassische Win-Win-Situation also, die durchaus so an den Patienten kommuniziert werden sollte. Pharma Unternehmen sind zwar auf die Teilnahmebereitschaft der Patienten angewiesen, bieten aber auch wertvolle Gegenleistungen.

Das Erfolgsrezept: Digitale Services und Ansprache auf Augenhöhe

Umfrage zur Nutzung von digitalen Medien bei GesundheitsinformationenErhebungen, wie die jährlich erscheindende MSL Gesundheitsstudie, zeigen, dass sich das Internet in den letzten Jahren zum Leitmedium in Gesundheitsfragen etabliert hat. Mobile Anwendungen sind auch bei Gesundheitsthemen auf dem Vormarsch. Man informiert sich gerne digital, nutzt Tools und Apps und die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen.

Doch wie kann ein Pharma-Unternehmen durch diesen Trend Patienten für seine Studien zu rekrutieren? Nach unserer Ansicht mit einem integrierten Kommunikationskonzept, das folgende Punkte berücksichtigt:

  • Etablierung eines Dachportals zur Patientenrekrutierung mit einzigartigen Inhalten und Services, die dem Patienten Mehrwerte bieten
  • Kampagnen rund um die einzelnen Indikationen
  • Integrierte Vermarktungsmaßnahmen zur Bekanntmachung der Kampagnen
  • Einbindung von Elementen des Social Web
  • Entwicklung von themenrelevanten mobilen Applikation
  • Kooperationen mit Influencern, Selbsthilfegruppen, Vereinen etc.
  • Einbeziehung von Ärzten, Apothekern und Kliniken als Multiplikatoren und Berater

 

Kurzum: Wie bei jedem anderen Produkt, jeder Marke und jeder Kampagne geht es primär um Bekanntmachung. Sekundär geht es darum, das Pharma-Unternehmen als vertrauensvollen Partner zu etablieren – der Patient möchte sich schließlich in guten Händen wissen.

Bildquellen: Fotolia, MSL Gesundheitsstudie