Mobile Marketing: Per GPS nah am Patienten (Teil 2)

Location Based ServicesIn der September-Ausgabe des Fachmagazins Healthcare Marketing zeigt Georgios Manolidis, Geschäftsführer von cyperfection, in seinem Beitrag die Relevanz und die Möglichkeiten von Mobile-Marketing im Healthcare-Bereich auf. Lesen Sie heute Teil 2 des Artikels.

zu Teil 1

 

 

Service und Vertrieb effektiv verknüpfen

Der hohe Nutzwert von Location Based Services, etwa für chronisch erkrankte Menschen, die auf Reisen ihre gewohnte Lebensumgebung verlassen und dringende Medikation oder ärztliche Hilfe benötigen, ist deutlich. Dass durch die im vorherigen Teil der Serie geschilderte Möglichkeit, Medikamente innerhalb einer Smartphone-Anwendung vorzubestellen, auch der Vertrieb der Offizin-Pharmazie begünstigt wird, stellt einen nicht zu vernachlässigenden positiven Nebeneffekt dar. Derartige Angebote, die erfolgreich Service mit Vertrieb verknüpfen, schaffen also eine klassische Win-Win-Situation für Patienten und Healthcare-Unternehmen.

Es empfiehlt sich also für spezialisierte Anbieter aus der Healthcare-Branche, zu überprüfen, wie die eigenen Dienstleistungen und Produkte in ähnliche Service/Vertriebs-Modelle kanalisiert werden können und wo die Synergie-Effekte zu bereits bestehenden Angeboten schlummern. Akute Bedürfnisse und Ortsbezogenheit gehen bei vielen chronischen Erkrankungen Hand in Hand. Dem Patienten in solch einer Situation mit Hilfe eines Location Based Services professionell zu begegnen, kann zweifellos dessen Loyalität zum Anbieter erhöhen.

Das digitale Tagebuch

Der zweite große Teilbereich, in dem Location Based Services mittelfristig immer bedeutsamer werden, ist die Dokumentation bestehender Krankheitsbilder durch die Patienten. Wo früher zur Erhebung von Daten noch der Gang zum Arzt oder ins Klinikum unumgänglich war, werden zukünftig mobile Endgeräte der Patienten eine immer größere Rolle spielen. Portabel, preisgünstig, leistungsstark und hochverfügbar findet durch sie ein Paradigmenwandel im Telemonitoring statt, als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Methoden der Diagnostik und Dokumentation.

Wie genau treten die Location Based Services in diesem Zusammenhang in Erscheinung? Beispielsweise erfasst ein Asthmatiker seine im Tagesverlauf mit einem Peak-Flow-Meter gemessene Lungenfunktionalität in einer Smartphone-Applikation. In dieser Applikation hat er zuvor die für seine jeweilige Erkrankung relevanten, persönlichen Daten wie Geschlecht, Körpergröße, Alter und die von ihm eingenommenen Medikamente hinterlegt. Die Applikation zeigt ihm nicht nur via GPS-Daten den zu erwartenden Pollenflug am gegenwärtigen Ort an, sondern versieht jede Eintragung automatisiert mit der Lokation, an der die Messung erfolgte. So können gemeinsam mit dem behandelnden Spezialisten Korrelationen zwischen Entwicklungen im Krankheitsverlauf und den besuchten Orten nachvollzogen werden. Dieses Prinzip ist adaptiv und lässt sich auf andere Krankheiten übertragen, die in engem Zusammenhang zur Umgebung stehen, wie die bereits erwähnten Herz- und Kreislauferkrankungen oder auch Migräne. Über die gleichzeitige Dokumentation von Symptomen und Positionen erschließen sich für den Einzelpatienten neue und aufgrund der „realen“ Lebensumgebung höchst valide Indikatoren für die Ausprägung und Behandlung seines Krankheitsbildes. Spinnt man diesen Gedanken weiter, können Ärzte, Kliniken und Pharmaunternehmen aus größeren ortsbezogenen Datenvolumen ganzer Anwendergruppen Rückschlüsse für Therapieansätze oder die Entwicklung von Medikamenten gewinnen.

Fazit

Die hier knapp umrissenen Beispiele stehen exemplarisch für den Wandel, hin zu einem stärker mitwirkenden Patienten. Der Patient ist nicht länger nur „Objekt“ einer stationären Untersuchung zur Datengewinnung, sondern wirkt auch im Alltag aktiver an seiner eigenen Gesundheitspflege in Form von Informationsnutzung und -erhebung mit. Für die Krankenkassen ergeben sich so langfristig Kostenersparnisse, wenn durch den effizienten Einsatz von Location Based Services Risikofaktoren und somit Folgeerkrankungen minimiert oder gänzlich vermieden werden können. Die Technik ist dabei nur Mittel zum Zweck, doch die mobilen Endgeräte und entsprechende Location Based Services bieten großes Potenzial, um diesen Wandel zu unterstützen. Schließlich war die Healthcare-Branche nie zuvor in der Lage, unter so günstigen Bedingungen so nah am Patienten zu agieren. Smartphones oder Tablets sind bereits die ständigen Begleiter vieler Menschen und werden nicht als störende medizinische Apparate empfunden. Es ist nur logisch, dass auch der Bereich der Sensorik diesem Trend verstärkt Rechnung tragen und auf verbesserten Nutzungskomfort und Kompatibilität im Zusammenspiel mit mobilen Endgeräten setzen wird. Mit ihren speziellen Charakteristika eröffnen die ortsbezogenen Dienste der Healthcare-Branche einen neuen Weg, den Patienten über leistungsstarken Service an sich zu binden und – im wahrsten Sinne – jederzeit und überall für den Patienten da zu sein.

Autor: Georgios Manolidis
Bildquelle: istockphoto (Composing von cyperfection)