Mobile Marketing: Per GPS nah am Patienten (Teil 1)

Location Based ServicesIn der September-Ausgabe des Fachmagazins Healthcare Marketing zeigt Georgios Manolidis, Geschäftsführer von cyperfection, in seinem Beitrag die Relevanz und die Möglichkeiten von Mobile-Marketing im Healthcare-Bereich auf. Lesen Sie heute Teil 1 des Artikels.

Smartphones und Tablets sind mittlerweile wahre Alleskönner. Doch ein Aspekt sticht aus der Sicht des Healthcare-Marketings besonders hervor: Durch die Nutzung von sogenannten „Location Based Services“, also standortbezogenen, GPS-basierten Diensten, kann eine neue Qualität im Dialog zwischen Patient und Anbieter erreicht werden.

Was sich im Laufe der letzten Jahre bereits abgezeichnet hat, ist inzwischen Realität geworden: Mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets nehmen mittlerweile nicht mehr den Rang eines nachgelagerten „Third Screens“ hinter PC und TV ein. Laut einer Umfrage des Branchenverbands BITKOM besitzt mittlerweile bereits jeder dritte Deutsche ein Smartphone. Sie bieten große Leistung auf kleinem Raum – und der Endkunde scheint sich zunehmend daran zu gewöhnen, ständig einen mobilen Begleiter mit sich zu tragen. Die Marketing-Abteilungen verschiedenster Branchen wetteifern darum, durch nützliche, werbliche oder auch spielerische Angebote für diese portablen Geräte bei ihrer Zielgruppe zu punkten. ForresterResearch erwartet bis zum Jahr 2017 innerhalb der EU eine elffache Steigerung der Umsätze im Mobile Commerce und ein Marktvolumen von 19,2 Milliarden Euro. Bei der erfolgreichen Verwendung von „Mobile“ im Kommunikationsmix kommt es darauf an, sich die Besonderheiten und speziellen Möglichkeiten des Mediums zu Nutze zu machen, wie bereits in meinem Beitrag für das Jahrbuch Healthcare Marketing 2011 dargestellt. Auch bei den Verantwortlichen in der Healthcare-Branche scheint der Trend mittlerweile angekommen zu sein. Denn was nahezu alle heute eingeführten mobilen Endgeräte für den Einsatz in der Healthcare-Branche besonders qualifiziert, sind primär zwei technische Merkmale: Sie beinhalten sowohl einen satellitengestützten GPS-Empfänger, der die jeweilige Position und damit standortbezogene Daten ermitteln kann, als auch einen Zugang zum Internet über 3G-Netzwerke. Durch die zielorientierte Nutzung von Location Based Services können Smartphones und Tablets somit zum fundamentalen Baustein im Konzept moderner Telemedizin beziehungsweise des zeitgemäßen Telemonitorings werden. Die Endgeräte für Empfang und Response sind bereits im Besitz der Patienten. Benötigte Software wie Mobile Apps oder Webanwendungen zu entwickeln, die sich der Features GPS und Internet-Verbindung bedienen, ist vergleichsweise günstig. Somit befindet sich ein bis vor wenigen Jahren noch äußerst kostenintensives Nischenthema im Begriff, für eine breite Zielgruppe an Bedeutung zu gewinnen.

Die Daten-Autobahn in der Hosentasche

Sämtliche Menschen mit gesundheitlichen Leiden bewegen sich im Alltag mit ihren spezifischen Erkrankungen, Symptomen und Bedürfnissen nach Prävention oder Medikation. All die sich daraus ergebenden Attribute lassen sich letztendlich in Informationen beziehungsweise Daten auflösen. Patienten tragen in Form ihres mobilen Endgeräts ein „Gate“ bei sich, das den Transfer solcher Daten ermöglicht und diese darüber hinaus auch in einen räumlichen Kontext einbetten kann. Sie können beispielsweise auftretende Symptome im örtlichen Zusammenhang dokumentieren und diese bei Bedarf an „ihren“ Healthcare-Anbieter senden und bewerten lassen. Healthcare-Unternehmen können wiederum Daten an den Patienten übermitteln, die für diesen im jeweiligen örtlichen Zusammenhang relevant sind. Für einen Menschen mit Kreislauf-Erkrankung mögen etwa genaue meteorologische Informationen zu seiner aktuellen Umgebung äußerst relevant sein, um die eigene körperliche Belastungsgrenze abschätzen zu können. Umgekehrt kann sein Arzt aufgetretene Probleme anhand von besuchten Aufenthaltsorten interpretieren. Der Zweck ist auf beiden Kommunikationswegen der gleiche: Die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Ein Blick in die Praxis zeigt, wie weitreichend der positive Effekt der Location Based Services in der Gesundheitspflege ausfallen kann und wie sich die Kommunikation zwischen Patienten und Pharma-Unternehmen, Ärzten, Krankenhäusern und Kliniken aktuell verändert.

Schnelle Hilfe in Notfällen

Eine allgemeine Umsetzung des Prinzips Location Based Service bietet zum Beispiel die durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung entwickelte Smartphone-Anwendung „BundesArztsuche“. Die Datenbank speichert mehr als 150.000 ambulant tätige Ärzte und Psychotherapeuten und ermöglicht den Nutzern, sie anhand ihres aktuellen Standortes zu durchsuchen.  Der GPS-Empfänger des Smartphones kann so für die Navigation zur gewünschten Niederlassung genutzt werden. Noch umfangreicher fällt das Angebot einer anderen Anwendung aus: Mit „Apotheke vor Ort“, aus dem Wort & Bild Verlag, kann der Patient nicht nur Gesundheitstipps abrufen und Wechselwirkungen von Medikamenten überprüfen. Darüber hinaus ist auch die Bestellung von Medikamenten direkt aus der Anwendung heraus möglich und eine Funktion enthalten, über die der Anwender die zu seinem Standort nächstgelegene Notdienst-Apotheke findet. Wie bei der „BundesArztsuche“ kommt auch hier der GPS-Empfänger des jeweiligen Endgeräts zum Einsatz. Ist die jeweilige Apotheke identifiziert, kann direkt über die Navigation von Google Maps satellitengestützt die Route zum Ziel ermittelt werden.

Im zweiten Teil der Serie erfahren Sie wie das Prinzip „Location Based Services“ im Healthcare-Bereich derzeit schon eingesetzt wird und welche Potenziale es in Zukunft bieten könnte.

 

Autor: Georgios Manolidis

Bildquelle: istockphoto (Composing von cyperfection)