Die Suche nach dem Next Big Thing (Teil 2)

Der folgende Beitrag ist der zweite Teil einer dreiteiligen Serie, die wir aktuell im cyperfection-Blog veröffentlichen. Unter diesem Link gelangen Sie zum ersten Teil.

4. Formspring – Dem Hype nicht gerecht geworden

Logo-Formspring

Geschichte und Status: Formspring startete im November 2009 am Markt. Der Dienst basiert auf dem „Frage-Antwort-Prinzip“. Den Nutzern können Fragen gestellt werden, die diese in Form eines Streams auf ihrem persönlichen Profil öffentlich beantworten. Formspring machte durch seine explosionsartige Verbreitung auf sich aufmerksam und

zählte zu den am schnellsten wachsenden Webservices aller Zeiten. Netzwertig.com berichtete, der Dienst verbreite sich „wie ein Lauffeuer in der deutschsprachigen Webgemeinde“. Gigaom titelte 2011, Neugier mache Formspring zur Killer-App. Doch konnte Formspring das anfängliche Tempo nicht halten und im Juni 2012 drangen Gerüchte um eine mögliche Übernahme durch den Konkurrenz-Dienst Ask.fm an die Öffentlichkeit.

Herausforderungen: Formspring geriet insbesondere in den USA in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Der Vorwurf lautete, der Dienst begünstige „Cyber-Bullying“ und „Cyber-Mobbing“ unter Teenagern. Im Juli 2012 mussten die Verantwortlichen von Formspring dann eingestehen, Opfer von Datendiebstahl geworden zu sein. Hacker hatten mehr als 400.000 Nutzer-Passwörter entwendet.

Use-Cases: Formspring spielte in seinem Bekanntheitsgrad sicherlich nie in der Liga von Facebook und Twitter, aber auch hier verorteten Unternehmen Potential, mit ihrer Zielgruppe zu kommunizieren und Fragen zu Produkten und Services zu beantworten. Dass Formspring nicht der wirkliche Durchbruch gelang, zeigt sich daran, dass viele dieser Corporate Accounts heute verwaist sind. Fiat begleitete die Markteinführung eines neuen Modells in Brasilien via Formspring. ()Das letzte Update der Page datiert nun vom Mai 2010. Auch Red Bull versuchte sich bei Formspring, verfiel nach drei beantworteten Fragen im Juli 2010 jedoch in andauerndes Schweigen.

5. Quora – Experten unter sich

Logo-QuoraGeschichte und Status:Hinter Quora verbirgt sich ein Social Network, das auf den ersten Blick Formspring ähnelt. Beide Netzwerke bedienen sich des Frage-Antwort-Prinzips, dennoch ist die Grundausrichtung von Quora eine ganz andere. Während Formspring sich auf eher alltägliche Fragen konzentriert, die Nutzern zu ihrer Person gestellt werden, lässt sich Quora treffend als Experten-Netzwerk bezeichnen. Der Fokus liegt darauf, eine große Wissensdatenbank zu erstellen, in der die Nutzer nach für sie relevanten Themen und Interessen stöbern können. Semantische Verknüpfungen von Schlagwörtern sind im Kontext von Quora bedeutsamer als der in anderen Netzwerken stattfindende „Personenkult“. Der bisherige Anwenderkreis kann als elitär und technik-affin bezeichnet werden. Quora war von Beginn an nicht als ein soziales Netzwerk für die Masse ausgelegt und setzt auf strikte Regulationsmechanismen. Fragen müssen auf Englisch gestellt und mit einem Fragezeichen abgeschlossen werden. Zu Beginn wird das mehrfache Lesen eines Tutorials zur Fragestellung verlangt. Quora agiert behutsam mit Neuerungen und ist nach der ersten großen Aufmerksamkeits-Welle im Startjahr 2010 wieder aus dem medialen Fokus verschwunden. Doch die Nutzerzahlen zeigen, dass sich das Netzwerk momentan wieder im Aufwind befindet. Das hohe Aufkommen der mittlerweile auf Quora beantworteten Fragen in Suchmaschinen dürfte hierzu erheblich beitragen.

Herausforderungen: Das elitäre Konzept von Quora verschreckt sicherlich viele Neuankömmlinge. Ebenso rigide geht man bei der Monetarisierung vor. Die Seite ist werbefrei, gestattet keine Unternehmensprofile und hat dementsprechend bis jetzt noch keinen Umsatz generiert. Einen Höhepunkt markierte die Löschung des Profils des bekannten Technologieblogs „Mashable“ im vergangenen Jahr.

Use-Cases: Kann Quora also nicht als Marketing-Tool für Unternehmen verwendet werden? Nimmt man von dem Gedanken Abstand, ein klassisches Unternehmensprofil pflegen zu wollen, ergeben sich durchaus Möglichkeiten. Entscheider oder andere Mitarbeiter mit einem Personenprofil und entsprechender Kompetenz können in ihrem jeweiligen Fachgebiet bei Quora erfolgreiche Netzwerkpflege betreiben, ihren Expertenstatus weiter aufbauen und so Aufmerksamkeit für das eigene Unternehmen generieren. Besonders für Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft lohnt der Blick auf mögliche Potenziale von Quora.

6. Path – Weg ins Neuland oder ausgetretener Pfad?

Logo-PathGeschichte und Status: Path ist ein 2010 gestarteter Dienst, in dem sich einer der größten Trends der vergangenen Jahre widerspiegelt, nämlich das Thema der mobilen Endgeräte. Im Zentrum des Netzwerks stehen die Applikationen für die mobilen Betriebssysteme iOS und Android. Das Konzept von Path lässt sich dementsprechend als „ereignis-orientiert“ beschreiben. Nutzer teilen über das mobile Endgerät zum Beispiel ihren Status, gehörte Musik, gelesene Büche, gesehene Filme, besuchte Orte und vor allem Fotos. All dies geschieht über vorangelegte Sharing-Buttons für die jeweilige Kategorie von Aktivität und ist somit einfach über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets zu steuern. Ein gravierender Unterschied zu Facebook liegt in der Limitierung auf maximal 150 Kontakte pro Benutzer. So soll die Möglichkeit geboten werden, in einer vertrauenswürdigen und für die jeweilige Person wirklich relevanten sozialen Umgebung Ereignisse ihres Lebens zu teilen. Eine persönliche Einladung für den jeweiligen Kontakt ist notwendig, damit der Stream des Nutzers für ihn sichtbar wird. Hier unterscheidet man sich folglich von Facebook, das viele Informationen standardmäßig öffentlich zugänglich macht. Path bedient damit zwei Themen, die für viele Social-Network-Nutzer von großer Relevanz sind: Mobilität und Privatsphäre. Der Durchbruch zu einer breiten Nutzerbasis ist bis dato jedoch nicht gelungen. Mit einem Relaunch zu Beginn des Jahres 2012 verdoppelten sich die Nutzerzahlen zwar auf zwei Millionen Anwender, doch verglichen mit Formspring oder Pinterest nimmt sich der Hype eher gering aus.

Herausforderungen: Reichen Mobilität und Sicherheit als Schlagwörter aus, um sich von der Fülle an Mitbewerbern abzugrenzen? Bei aller Begeisterung für neue Services erscheint der Markt etwas gesättigt und Path verfügt nicht über das so oft bemühte, offensichtliche „Killer-Feature“. Dass Path im Februar in die Schlagzeilen geriet, weil Kontakte aus den Telefonbüchern der Anwender ohne deren Wissen gespeichert wurden, warf kein gutes Licht auf das sonst um Sicherheit und Transparenz bemühte Startup.

Use-Cases: Bis jetzt scheinen sich bei Path keine großen Möglichkeiten für Marketing-Aktivitäten zu bieten. Im Juni des laufenden Jahres integrierte Path bereits zum zweiten Mail eine Anwendung von Nike in das eigene Angebot, mit der Nutzer ihre eigenen körperlichen Aktivitäten verfolgen. Derartige Kooperationen mit großen Marken könnten ein wichtiger Baustein im Monetarisierungs-Konzept von Path werden.

7. Reddit – Mister President ist schon da

Logo-Reddit-AlienGeschichte und Status: In Social-Network-Dimensionen ist Reddit bereits relativ lange am Markt aktiv. 2005 startete die Social-Publishing-Plattform, die in Deutschland noch wenig bekannt ist. Reddit aggregiert Beiträge der registrierten Nutzer und sortiert diese nach Themen, Engagement der Community, Relevanz und Bewertung. Dadurch ergibt sich ein dynamischer Sammelpunkt für Inhalte aller Art aus dem Internet. Die Entwicklung von Reddit kann zum jetzigen Zeitpunkt als Erfolgsgeschichte angesehen werden. Eine überwiegend junge Nutzergruppe im durchschnittlichen Altersbereich um die 30 Jahre frequentiert das Netzwerk. Die Klickzahlen bewegten sich im Juli 2012 bei 35 Millionen monatlichen Besuchern und drei Milliarden Seitenabrufen. Dass im darauf folgenden August US-Präsident Barack Obama den Bereich „Ask Me Anything“ von Reddit für eine interaktive Fragestunde nutzte, verlieh dem Dienst in der öffentlichen Wahrnehmung weiteren Aufschwung. Der Hauptgrund, warum Reddit voraussichtlich weiter erfolgreich am Markt bleiben wird, steht jedoch nicht mit einem kurzfristigen Hype durch prominente Nutzer in Zusammenhang: Reddit gelingt es im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken, seine Nutzer zu binden und es hat im Laufe der Jahre eine stabile Basis-Community gebildet. Statistiken zeigen, dass jeder Besucher der meistgenutzten Sektion „Funny“ dort durchschnittlich zehn weitere Unterseiten aufruft.

Herausforderungen: Mit Werbeformaten wie Sponsored Links und dem Angebot an die Nutzer, „Reddit Gold Accounts“ mit erweiterten Funktionen erwerben zu können, hat man bereits Schritte zur Monetarisierung des Netzwerks umgesetzt. Dennoch gibt es kritische Stimmen in der Tech-Branche, die bei Reddit viel verschenktes finanzielles Potenzial sehen. Auch in Fragen der Usability und Übersicht kann Reddit beim ersten Besuch nicht wirklich überzeugen. Mögliche Änderungen in diesem Bereich könnten die Seite für neue Nutzer attraktiver machen, aber die etablierte Community verprellen.

Use-Cases: Zum aktuellen Zeitpunkt ist Reddit dabei, als Marketing-Tool für Unternehmen durchaus interessant zu werden. Die Zielgruppe gestaltet sich recht homogen (männliche, technik-affin, hoher Bildungsstandard) und durch die einzelnen Themenstränge können noch feiner Interessensgruppen selektiert und über Online-Advertising angesprochen werden. Wenig empfehlenswert ist hingegen der Versuch, werbliche Links in den normalen Kommunikationsstrom einfließen zu lassen.

 

(Bildquellen:  Formspring, iconarchive.com)

 

Erfahren Sie kommende Woche im dritten und letzten Teil unserer Serie Wissenswertes über die Social Networks Diaspora, App.Net und Medium. Was kann die digitale Markenführung aus der Entwicklung der zehn vorgestellten Netzwerke lernen?